Mischkultur / Permakultur

Erfahrungen mit Anbau gemischter Gemüsekulturen

Mischkultur hat vor allem den großen Vorteil, dass man auf die Fruchtfolge nicht so großen Wert legen muss, da der Boden nicht einseitig "ausgelaugt" wird, die Natur macht es vor, da wächst auch viel zusammen und gedeiht prächtig.



Berücksichtigt wird hier auch, daß nicht jeder einen Garten hat, die Übersicht beschränkt sich daher erst einmal auf das, was notfalls auch auf einem Balkon oder Dachgarten, im Prinzip also im Kübel und ohne Probleme wächst.

Dabei ist es natürlich sinnvoll, wenn verschiedene Pflanze im gleichen Kübel wachsen, schon mal aus Platzgründen, und aus diesem Grunde müssen sich diese dann auch vertragen, im günstigsten Fall sollten sie sich noch gegenseitig günstig beeinflussen.



Wenn jetzt die erfahrenen Gärtner/innen ins Schmunzeln kommen – ich wende mich hier direkt an Anfänger, es ist erschreckend, wie viele Menschen nicht mehr die geringste Erfahrung mit Lebensmittelanbau haben, wenn es tatsächlich soweit kommen sollte, daß wir hier in unseren Breitengraden wieder (zumindest zeitweise) auf Eigenanbau zur Versorgung angewiesen wären, dann würden viele Leute wohl verhungern. Das muß nicht sein, wenn jeder nach seinen Möglichkeiten sich wenigstens etwas selbst anbaut und dann auch mit anderen tauschen kann, dann ist eine solche Situation schon viel entspannter zu überstehen und ausschließen kann man es leider nicht.



Es wurden zu Anfang des Vergleichsanbaus verschiedene Mischkultur-Tabellen aus folgenden Büchern verglichen, die Literaturangaben sind am Schluß

Interessanterweise gibt es in einigen Fällen widersprüchliche Angaben, da ich die Möglichkeit hatte diese im Rahmen meines Eigenanbaus zumindest teilweise zu überprüfen, gehe ich davon aus, daß es noch weitere Faktoren geben muß, die auf die Anbauergebnisse einer Mischkultur einwirken. Es ist nicht wirklich immer so wie man es gern hätte und erwartet.



Einige Unverträglichkeiten von Pflanzen beruhen auf Gegenseitigkeit, andere wiederum nicht, so gedeiht Mangold tatsächlich schlechter in der Nähe von Topinambur – diese wiederum machen sich aus dem Mangold überhaupt nichts.

Bewährte Mischkulturen wie Möhren mit Zwiebeln kennt dagegen fast jeder, der schon etwas Gartenerfahrung hat – in dem Fall ist es ein gegenseitiger Schutz vor Schädlingen, die sich ansonsten in einer Monokultur schnell breit machen.



Aus Zeitgründen beschränke ich mich hier vorerst auf einige verbreitete und einfach anzubauenden Gemüse- und Kräutersorten die sich für den unkomlizierten Hausgebrauch bewährt haben.





Bohnen sind frostempfindlich und können erst von Mitte Mai bis Ende Juli angesäht werden, brauchen im Wurzelbereich nicht so viel Platz und wachsen im Prinzip überall, sie sind Stickstoffsammler und reichern den Boden damit an.

Kklassisch und praktisch bewährt ist die Kombination mit Bohnenkraut, dieses kann schon eher gesäht werden oder man hat eine winterharte Sorte, wo man einige Pflanzen dann direkt in die Bohnenreihe setzt. Das Bohnenkraut ist ohnehin für den Geschmack der Bohnen bei der Zubereitung empfehlenswert.

Ebenso gut verträglich für Bohnen sind Borretsch, Dill, Erdbeeren, Gurken, Kartoffeln, alle Sorten Kohl, Koriander, Mangold, Spinat oder Rote Beete, Radieschen, Rettich, Ringelblumen, verschiedene Salate, Sellerie, Sonnenblumen und Tomaten.

Angegeben ist auch Rhabarber, ich habe aber keine Idee, was wegen der großen Blätter des Letzteren daneben noch gedeihen soll , den nötigen Platz muss man einrechnen.



Ungünstige Nachbarschaft für Bohnen sind Erbsen (gleiche Standortansprüche aber Erbsen können erheblich eher ausgesäht werden da sie gegen Spätfröste recht tolerant sind. Ab Juli lohnen sich Erbsen nicht mehr, sie tragen dann nicht mehr recht.

Auch Fenchel, Knoblauch, Porree, Schnittlauch und Zwiebeln sind als ungünstige Nachbarn für Bohnen angegeben.

Zwiebeln habe ich direkt daneben im gleichen Beet ausprobiert, sie sind trotzdem recht gut geworden, auch die Bohnen sahen ganz gut aus.





Kartoffeln lohnen sich auf fast jeder Stelle wo auch nur eine Pflanze Platz hat, selbst in Kübeln und sogar auf einem ganz normalen Stück Wiese. Man braucht nur das hohe Gras umtreten und zusätzlich mit einer ca. 20 cm dicken Schicht anderer Biomasse abdecken, Grasbatzen, Heu, Stroh, im Prinzip alles, was an Biomasse in einem Garten ganz nebenbei anfällt. Die Kartoffeln unten reinstecken und dann wachsen sie direkt auf der Erde entlang – mit teilweise erstaunlichem Ertrag und vergleichsweise sehr sauber. Die Knollen kann man bei dieser Anbauvariante nach Bedarf ernten, mein eigener Testanbau war ein Aha-Erlebnis, die Ernte war sogar besser und auf jeden Fall einfacher als in den gehäufelten Reihen.

Anbauzeit für Kartoffeln - je nach Höhenlage schon ab März bis in den Sommer möglich, sie brauchen gut 3 Monate zum Wachsen und werden geernet wenn die Pflanze abstirbt, bei dem o.g. Wiesenanbau ist jederzeit eine vorzeitige Entnahme von Knollen zum Frischverbrauch möglich ohne die Mutterpflanze gleich zu ruinieren.

Was die unterschiedlichen Sorten angeht ist man als Laie gut beraten, wenn man sich regionale Kartoffeln besorgt, aber Versuch macht klug, man kann durchaus auch experimentieren. Es ist für den Hausgebrauch nicht nötig, sich extra Saatkartoffeln zu besorgen, wenn gute, (also nicht totbehandelte!) Kartoffeln aus dem Laden verwendet werden, dann wachsen die auch, es geht hier nicht um Höchsterträge und Landwirtschaft sondern um Selbstbeschaffung von chemiefreien Lebensmitteln aber auch für den Notfall.

Wenn gar nichts geht mit Beschaffung aus der Region und der Supermarkt nur behandelte Kartoffeln führt (steht auf der Verpackung), dann muss man sich eben Saatkartoffeln kaufen. Bei der Ernte hebt man sich dann die Kleineren für die nächste Aussaat auf, am besten im Keller, kühl und nicht allzu trocken, wer selbst keinen kühlen Keller hat kann ggf. in der Bekanntschaft herumfragen oder man lässt die kleinen Kartoffeln gleich in der Erde, in manchen Gärten sind sie geradezu unausrottbar und kommen immer wieder.



Da Kartoffeln und Bohnen gut kombinierbar sind, kann man sie ohne weiteres auf der gleichen Stelle anbauen, beides wächst übrigens auch - und zwar hervorragend - auf dem Balkon! Die Bohnen sorgen für zusätzliche Nährstoffversorgung der Knollen da sie den Boden über ihre Wurzeln mit Stickstoff anreichern. Ebenfalls Dill kann direkt dazwischen wachsen. Wenn bereits Bohnen als Mischkultur vorhanden sind macht sich Knoblauch wohl nicht so gut, das habe ich aber nicht direkt ausprobiert, ansonsten soll Knoblauch mit Kartoffeln eine gute Kombination sein wegen der Schädlingsabwehr, sinnvoller ist in diesem Fall die Pflanzung einiger Tagetes-Pflanzen (Blumen), die als Nematodenschutz wirken, oder Ringelblumen, diese bewahren Kohl, der sich als Nachkultur für Kartoffeln eignet, weitgehend vor diversen Raupen, die Blumen können also gleich stehen bleiben und Ringelblumen können zu einer sehr guten Salbe verarbeitet werden (siehe später im Heilpflanzen-Teil, folgt erst noch).



Passend zu Bohnen lassen sich Tomaten und Petersilie im gleichen Beet / Kübel anbauen aber Tomaten NICHT mit Kartoffeln, diese beiden Nachtschattengewächse passen nicht.



Was auch gut zu Bohnen passt sind Kürbisse oder Gurken, in dem Fall allerdings besser Stangenbohnen, wenn die Gurken und Kürbisse unten wachsen, umgekehrt machen sich kletternde Gurken und Kürbisse ganz gut wenn die Bohnen unten bleiben, also Buschbohnen in dem Fall. Die Kombination dieser beiden Gemüse mit Mais ist von den Indianern überliefert, die Pflanzen stützen und beschatten sich gegenseitig nach ihrem Bedarf.

Ringelblumen passen auch hier dazu.



Im Beet oder Gewächshaus klappt das relativ einfach, bei Balkonanbau ist wegen der gewöhnlich kleineren Pflanzgefäße darauf zu achten, daß gerade Gurken viel Wasser brauchen, dann tragen sie aber erstaunlich gut, für Balkon eignen sich eher kletternde Gurken, Schlangengurken z.B. sie tragen auch reichlich.

Kürbisse sind eher nicht so die klassischen Balkongewächse, aber wenn der Kübel groß genug ist und gut gegossen wird, sollte sogar das funktionieren, ich habe das schon probiert, es geht, auch Zuccini gedeihen auf dem Balkon – meist sogar besser als im Garten weil das Balkonbiotop normalerweise schneckenfrei ist.



Kohl und Salat passen in allen Sorten gut zusammen, der spätere Platzbedarf von Kopfkohl ist einzurechnen, Salat kann fast direkt daneben wachsen und geerntet werden bevor der Kohl dann wirklich viel Platz einnimmt, Kopfkohl braucht recht lange bis er groß ist,

Kohlrabis hingegen sind schnell fertig und haben auch nicht ein so ausladendes Blattwerk, und da Kohl im Wurzelbereich nicht viel Platz beansprucht sollte er eigentlich auch auf dem Balkon wachsen können, das habe ich allerdings noch nicht getestet.

Was noch zu Kohl passt sind Bohnen oder Erbsen (also nicht beides zusammen), Gurken, Möhren oder Dill, Radieschen und Rettiche, Sellerie, Mangold oder Spinat oder Rote Beete, (also auch hier für ein Gemüse entscheiden) aber auch Erdbeeren, die kommen ohne weiteres mit Halbschatten aus und wachsen sogar noch mit gutem Ertrag direkt unter Sträuchern z.B. Johannisbeeren. Es macht ihnen also nichts, wenn der Kohl sie nach der Erdbeerernte in den Schatten stellt, z.T. ist Kohl aber als ungünstig für Erdbeeren angegeben.

Kohlrabi und Brokkoli haben nicht ganz die gleichen Ansprüche wie der sonstige (Kopf)-Kohl, das ist aber nicht ganz so wild, Brokkoli z.B. soll nicht mit anderen Kohlsorten zusammenstehen.

Unverträglich mit Kohl in allen Arten sind - nach der Literatur- Lauch (Porree) und Zwiebeln. Bei mir sind die Zwiebeln am Rand des Beetes wo u.a. Kohl stand recht gut geworden. Allerdings baue ich Gemüse immer in Mischkultur an, da kann man auch ausreichend Abstand zwischen etwas heikle Nachbarpflanzen bringen.

Erbsen sind etwas frostverträglich, man kann sie schon sehr zeitig legen (ab Mitte März in tieferen Lagen). Saatgut für Erbsen hält sich nicht sehr lange, hier kann man sich entweder selbst Samen nachziehen oder kauft jedes Jahr frische Samen.

Erbsen vertragen sich gut mit Borretsch, Dill, Fenchel, Gurken, Kapuzienerkresse, Kohl, Koriander, Möhren, Radieschen, Rettich, Ringelblumen, Salaten, Sellerie, Sonnenblumen, Spinat und Zuccini.

Unverträglich sind sie mit Bohnen, Gartenkresse, Knoblauch, Porree, Ruccola, Schnittlauch, Tomaten, Zwiebeln.

Erdbeeren kann man gut mit Zwiebeln und Knoblauch kombinieren, ebenso mit Porree, auch Radieschen, Salate, Sonnenblumen und Spinat passen dazu.

Erdbeeren gedeihen auch unter Johannisbeersträuchern sehr gut, da sie Halbschatten vertragen.

Als ungünstige Nachbarn sind Gurken angegeben.

In manchen Büchern ist Kohl als günstig, in anderen als ungünstig angegeben, ich habe das aber bisher nicht ausprobiert.

Tomaten passen klasisch zu Petersilie, die kann man direkt darunter setzen, diese beiden scheinen sich echt zu mögen. Außerdem zu Salaten, Kresse, Basilikum, Borretsch, Bohnen, Chicoree, Dill, Knoblauch, einigen Kohlarten (Kohlrabi), Möhren, Rettichen, Ringelblumen, Sellerie, Spargel, Spinat, Zuckermais und Zwiebeln. Tomaten können mehrere Jahre auf der gleichen Stelle stehen.

Angegeben ist in der Literatur, daß Tomaten und Gurken nicht zusammenpassen, daß ist aber nicht unbedingt soo problematisch, wichtig ist aber, daß Tomaten mit Früchten kein Wasser von oben mehr vertragen, also alle zusammen ins Gewächshaus funktioniert nur, wenn nicht alles direkt zusammensteht und per Hand oder eben nur von unten gegossen wird. Auch im Garten mögen Tomaten einen vor Regen geschützten Standort, sie brauchen es außerdem warm, ab einer gewissen Höhenlage (z.B. bei mir) wachsen sie im Garten dann nicht mehr gut, geschützte Lage am Haus oder Gewächshaus ist dann sicherer. Tomatenhauben funktionieren auch - wenn es nicht zu windig ist.

Unverträglich sind sie mit anderen nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Auberginen, es sind aber auch Erbsen, Fenchel, Paprika, Rotkohl und Sonnenblumen.

Eine Mischkultur mit Rote Beete wird mal als günstig, mal als ungünstig angegeben - auch hier habe ich das nicht ausprobiert zumal die Rote Beete erheblich unempfindlicher ist, was den Standort betrifft und der geschützte Platz für Tomaten eher begrenzt zur Verfügung steht.





Ich hatte vor 2 Jahren Tomaten und Paprika zusammen auf dem Balkon - jeweils in mit Folie ausgeschlagenen Kisten und Blumentöpfen, die sind alle mit- bzw. nebeneinander gewachsen wie verrückt. Die Paprika standen (weil sie nicht so hoch wachsen) direkt unter dem Fenster und die Tomaten links und rechts daneben. Getragen haben sie alle, der Abstand war maximal 20-30 cm zwischen den unterschiedlichen Kulturen, gerade so, dass sich die einzelnen Pflanzen nicht gegenseitig behindern, mit den Wurzeln waren sie ohnehin separat durch die Kisten und Töpfe.

Ich habe nicht mit den Zentimetermaß nachgemessen, ob die direkten Nachbarn vielleicht nicht ganz so gut gewachsen sind wie die Pflanzen mit etwas mehr Abstand, aber insgesamt sah das alles recht gesund aus und das hat mir dann auch gereicht. In den Tomatenkisten hatte ich zusätzlich immer noch Petersilie mit drin, das sind teilweise richtig dichte Büsche geworden.
Einigen Pflanzen sollte man auf jeden Fall einen größeren Abstand zu den anderen Gartengewächsen lassen, z.B. ein Wermutstock steht besser allein irgendwo am Rande.
Andererseits gibt es welche, neben denen gedeiht es besonders gut, ich habe mitten in meine Gemüsereihen immer einige Baldrianstöcke als Pflanzenschutzmaßnahme gehabt, daneben sind die Gemüsepflanzen (vorwiegend hatte ich Kohl dort) immer viel kräftiger geworden.

Wird fortgesetzt.



Quellen zum Nachschlagen u.a.:

"Der gesunde Biogarten" (Das Beste) S. 36

"Gartenjahr" (Falken) S.83

"Vom richtigen Zeitpunkt" (Mondbuch) (Heyne) S.128 ff

"Kräuter und Gewürze" (blv) S.36 und im Text

"mein schöner Garten" (Zeitschrift 3/2002) S.112

"Aussaatkalender 2001" (Ludwig)

"Mein Kräutergarten" (Compakt) S. 37

"Gärtnern mit dem Mond (Tosa, J.Corte) S. 50 und im Pflanzenteil S.101-277

"Erfahrungen für den Garten" Maria Thun (Kosmos)

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Kommentare: 3
  • #1

    Christina (Mittwoch, 30 März 2016 08:59)

    Super Beschreibung, ich werde mal einiges davon ausprobieren. Mein Erdbeerbeet liegt am Hang und wird immer sehr trocken und steinig, habe schon versucht es etwas zu terrassieren, aber irgendwie kommen die Erdbeeren hier nicht gut. Kann ich etwas anderes dazwischen setzen, dass die Erdbeeren fördert?

  • #2

    Rusticus (Donnerstag, 31 März 2016 18:42)

    Als Pflanznachbarn eignen sich sehr gut Hülsenfrüchtler wie Buschbohnen, Pfuffbohnen oder Erbsen. Aber auch Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Rettich und auch Radieschen sind geeignete Pflanznachbarn. Die Auswahl geeigneter Nachbarpflanzen ist hier vielfältig. Vermeiden sollte man allerdings Kohlsorten wie bspw. Kohlrabi, Brokkoli oder Weißen Kohl.

  • #3

    Johannes (Freitag, 12 Mai 2017 08:45)

    Vielen lieben Dank für diesen praktischen Beitrag! Ich habe mal gehört, dass es in Mischkulturen/Permakulturen bestenfalls keinen "offenen" Boden geben sollte (also der Boden in der Natur ist immer bedeckt sein sollte, zB. mit Resten von abgestorbenen Pflanzen, diese bieten den Boden den Schutz, um nicht auszutrocknen).
    Wie kann ich nun den Boden im Gemüsegarten, nach Ausbringung der Samen, am Besten schützen? Die Samen benötigen ja wiederum ausreichend Licht, um wachsen zu können?