Kahlschlag für den Fortschritt: Wie Polens Atom-Traum die Küste frisst
Ich stehe am Rand einer Schneise, die sich wie eine offene Wunde durch das Herz des Küstenwaldes zieht. Der Geruch von frischem Harz liegt in der Luft. Aber es ist nicht der belebende Duft eines gesunden Waldes, sondern der Geruch des Todes. Vor mir liegen Riesen, die hunderte Jahre lang dem Wind der Ostsee getrotzt haben. Mächtige Buchen und knorrige Kiefern, die bis vor kurzem noch voller Leben waren. Und dann höre ich dieses markerschütternde Kreischen der Häcksler.Hier in der Gemeinde Choczewo, am Standort Lubiatowo-Kopalino, wird gerade die Zukunft Polens gebaut. Zumindest ist das die Erzählung der Regierung in Warschau und der Giganten Westinghouse und Bechtel. Doch wer hier steht und die Spur der Zerstörung mit eigenen Augen sieht, erkennt sofort: Diese Zukunft wird auf den Trümmern einer unwiederbringlichen Natur errichtet. Das Schlimmste dabei ist, dass diese ehrwürdigen Bäume nicht einmal zu Häusern verbaut oder zu Möbeln gezimmert werden. Sie werden an Ort und Stelle zu Hackschnitzeln verarbeitet. Ein biologisches Erbe wird in Sekunden zerfetzt, nur um Platz für Beton und Stahl zu schaffen.